Korium-Magazin


CraftBee – das Honigbier aus Kassel

26.03.2017 08:17
von Axel Speitmann

CraftBee-Logo auf Flyer In der vergangenen Woche habe ich die Macher von CraftBee in Kassel besucht. Das sind nicht nur die Männer, die das ungewöhnliche Honigbier kreiert haben, sondern natürlich auch die vielen zigtausend Bienen, die den Honig produzieren, der dem Bier seinen unverwechselbaren Geschmack verleiht. Der Sitz der Firma ist in einem kleinen Hinterhof in Kassel, wo auch einige der Bienenstöcke stehen. Michael Hertweck, einer der Männer hinter CraftBee, hat hier seinen Arbeitsplatz in der Druckerei seiner Schwiegereltern. CraftBee ist derzeit noch ein Projekt, das nebenberuflich läuft. Doch man sieht sehr schnell, dass nicht nur die Imkerei, sondern auch das Honigbier hier eine wichtige Rollen spielen und ihren Platz beanspruchen. In dem kleinen Büro, in dem wir uns unterhalten, sind Bierflaschen und Honiggläser ausgestellt ebenso wie die eigenen, ungewöhnlich geformten Biergläser, Prospekte, Etiketten und Werbematerialien. Und auch ein Teil des Lagerplatzes in dem Gebäude ist durch die Produkte von CraftBee belegt.CraftBee Bier


Michael Hertweck erzählt mir, dass alles angefangen hat, als er und sein Imker-Kollege Michael Busse bei einer sommerlichen Wanderveranstaltung ihren Honig anboten. An dem heißen Sommertag wollte allerdings niemand ihren Honig haben, denn die Leute hatten vor allem Durst und wollten lieber ein Bier genießen. Da hatten die beiden den Einfall ein Honigbier zu machen. Aus der „Schnapsidee“ wurde schnell ein konkretes Projekt und relativ schnell fand sich ein Experte, der ebenso von der Idee fasziniert war und sein Fach- und Branchenwissen einbringen konnte. Nicolai und Hertweck von CraftBee

Der Braumeister Sascha Nicolai von der Hütt-Brauerei in Baunatal hatte sich schon länger mit der Thematik „Honigbier“ befasst. Und so testeten sie ein halbes Jahr lang und probierten jede Menge verschiedene Ansätze aus, um die optimale Kombination von Hopfen, Hefe, Malz und Honig zu finden. Ein halbes Jahr später konnten Michael Hertweck und Sascha Nicolai dann ihr Produkt endlich vorstellen: CraftBee ging an den Start und die ersten 1000 Flaschen waren schnell vergriffen!

Doch so einfach, wie das jetzt in einem Satz beschrieben wurde, war es dann wohl doch nicht. Michael Hertweck erklärt, dass es einige Zeit brauchte, bis die Lebensmittelüberwachung das Produkt freigab. Dabei stand natürlich zunächst das deutsche Reinheitsgebot im Vordergrund, wonach ein Gebräu, dem Honig zugeführt wird, nicht mehr als Bier gilt. Offiziell ist das Honigbier also ein Biermischgetränk. Diskussionspunkt mit der Behörde war aber vor allem, das man per Definition eine Flüssigkeit (das Bier) und einen Feststoff (als solcher ist der Honig definiert) nicht mischen kann. Honig lässt sich aber sehr wohl in einer Flüssigkeit auflösen wie man weiß. Um den Vorschriften zu entsprechen wird dem Honig jetzt symbolisch etwas Wasser beigefügt und er wird dadurch zu einem Erfrischungsgetränk, das dann mit dem Biersud vermischt werden kann.


Herr Hertweck, dessen Frau hauptberufliche Imkerin ist und sich überwiegend um die Bienenvölker kümmert, schwärmt von der hohen Qualität des Honigs, den ihre Bienen produzieren. Sie haben Bienenstöcke an verschiedenen Stellen in der Stadt Kassel positioniert und verkaufen den „Stadthonig“, wie sie ihn nennen, direkt und über verschiedene Läden. Der Honig, sagt er, ist wesentlich reicher an Aromen und gehaltvoller als das, was man sonst so im Supermarkt bekommt. Untersuchungen des Stadthonigs ergaben, dass dieser Spuren von bis zu 400 verschiedenen Pflanzen enthält. Auch wenn man es nicht denkt, in der Stadt finden die Bienen in kurzer Distanz eine Vielzahl an unterschiedlichen Blüten und Bäumen, deren Nektar und Pollen sie sammeln. Ich erfahre, dass vor allem die nahe gelegene Orangerie und die Auen der Fulda ein reichhaltiges Angebot für die Bienen bieten. Je nach Standort produzieren die einzelnen Völker so zwischen 50 und 100 Kilo Honig, von dem nun ein Teil in die Produktion von CraftBee gelangt.CraftBee Info


Sascha Nicolai, der etwas später zu unserem Gespräch dazu gestoßen ist, erläutert mir, dass jede Charge des Stadthonigs etwas anders ausfällt. Je nachdem, welche Blüten die Bienen bevorzugt besuchen, variiert der Geschmack etwas und darauf muss er im Brauprozess Rücksicht nehmen. Mit den wenigen Stellschrauben, die der Brauer bei seinem Handwerk hat, muss er durch eine angepasste Rezeptur dafür sorgen, dass das gebraute Bier den hohen Anforderungen an Geschmack und Qualität gerecht wird und gleichzeitig die Kontinuität im Geschmack gewahrt bleibt. Da wegen der Unterschiede im Honig der Biergeschmack durchaus etwas variieren kann, sprechen die beiden aber auch gerne von einer Art „Jahrgangsbier“ und dokumentieren dies auch auf den Etiketten der Flaschen. Anders als beim Wein, wird das allerdings kein Sammlerobjekt, denn Bier ist ein Frischeprodukt mit einer begrenzten Haltbarkeit.


Den beiden Honigbierexperten kann ich im Gespräch anmerken, dass sie mit Herz und Seele bei der Sache sind. In Bezug auf ihr Bier hat bewusstes Genießen die höchste Priorität für sie. Die Rarität, die sie produzieren, soll man nicht kistenweise runterkippen, sondern sich mal eine Flasche gönnen, wenn man etwas Besonderes genießen möchte. Dazu gehört auch das richtige Trinkglas, das die Aromen des Honigs im Bier so richtig zur Geltung bringt. CraftBee nennt das eigene Glas „Degustationspokal“. Ein Name, der vielversprechend klingt und durch die ungewöhnliche Form, die an ein Weinglas erinnert noch verstärkt wird. Darüber hinaus ist natürlich auch die korrekte Trinktemperatur wichtig für die Entfaltung der Aromen. CraftBee mit Degustationspokal

CraftBee empfiehlt das Honigbier bei ca. 10 Grad zu konsumieren und nicht eiskalt aus dem Kühlschrank zu servieren.


Man merkt schnell, die beiden stehen voll und ganz hinter ihrem Produkt. Sie erzählen mir mit strahlenden Augen, dass sie in der Zwischenzeit auch für andere Imker eigene Biere mit deren Honig brauen und dabei immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt werden. So berichtet Sascha Nicolai von einem Auftrag, bei dem er mit besonders hartem Wasser arbeiten musste. Dieses verwendet man beim Brauen normalerweise nicht, da es den Hopfen zu stark auslaugt und das Bier dann besonders bitter wird. Doch in diesem Fall war es notwendig, da sonst die Süße des Honigs alle anderen Aromen übertüncht hätte. Inzwischen brauen sie 2-3 Mal pro Monat, je nachdem wieviel Fremdaufträge für andere Imker anfallen. Vor kurzem haben Sie sogar einen Auftrag für ein Honigbier nach Japan erhalten. Auch dort war die Zulassung wohl nicht so einfach und es dauerte einige Zeit bis der Auftrag umgesetzt werden konnte, da die japanischen Behörden gar nicht wussten, wie das neue Getränk einzuordnen sei. Inzwischen ist das Honigbier gebraut und die Palette befindet sich auf dem Weg nach Japan.


Als Gipsy-Brauer hat CraftBee den Vorteil, dass keine eigenen Brauanlage oder Abfüllanlage finanziert und unterhalten werden muss. So beschränkten sich die Investitionen zu Anfang auf die ersten 1000 Flaschen, die vorfinanziert werden mussten und auf die vielfältigen Werbemittel und Marketingmaßnahmen. Nicolai betont dabei ganz eindeutig, dass das ganze Projekt ohne die Hüttbrauerei sicherlich so nicht möglich gewesen wäre. Auch seine Kontakte in der Branche und seine langjährige Erfahrung als Braumeister haben den Start begünstigt. Seit dem Start in 2015 konnte CraftBee einige Gaststätten als Partner gewinnen und verkauft das Bier nicht nur an regionale Händler sondern auch überregional und sogar ins benachbarte Ausland. Die beiden akquirieren aktiv neue Kunden, indem Sie Händler anschreiben und Muster ihres Bieres versenden. Außerdem besuchen Sie Craftbiermessen, sind in der Region bei Veranstaltungen aktiv und gehen Kooperationen ein, wo sie ihr Bier bei Kochabenden oder ähnlichen Events vorstellen. Bienenstock von CraftBee

Laut Sascha Nicolai kommen so inzwischen an 300 Arbeitstagen jeweils ca. 4 Stunden zusammen. Das ist schon weit mehr als die Arbeitszeit einer Halbtagskraft. So erzählen mir die beiden auch, dass immer mal wieder bei besonderen Aktionen die ganze Familie mit ran muss, wie am bevorstehenden Wochenende, wo man einen Auftrag packen muss und die Familien für mehrere Stunden eingeplant sind. Auch wenn man sich in einer sehr kleinen Nische des Marktes bewegt, ist das kleine Unternehmen schon richtig erfolgreich. In 2 Jahren, so ist die Vision, soll CraftBee so viel einbringen, dass mindestens eine Person voll von CraftBee leben kann.Die fleißigen Bienen bei CraftBee

Zum Abschluss des Interviews machen wir auch noch einen kurzen Besuch bei den Bienen im Hinterhof. Bei meiner Ankunft waren die noch nicht aktiv gewesen, doch jetzt, nachdem die ersten Sonnenstrahlen den Bienenstock erreicht haben und die Morgenluft erwärmt ist, sind die Bienen aktiv und schwärmen aus. Ich verlasse CraftBee mit dem Gefühl, dass hier nicht nur die Bienen eifrig sind, sondern auch die Chefs mit viel Elan und großer Freude dabei sind. In meinem Rucksack trage ich zwei Flaschen CraftBee mit nach Hause, die ich mir bei passender Gelegenheit schmecken lasse.


(Nachtrag: Die Flaschen sind inzwischen leer. Es schmeckte vorzüglich! Wer das Bier so genießt, wie es die beiden Chefs von CraftBee empfehlen, der riecht und schmeckt eine Vielzahl von Aromen und Nuancen, die man bei „normalem“ Bier nicht kennt)

Kontaktdaten:

craftBee – Hertweck und Nicolai GbR
Schwanenweg 19
34123 Kassel

Telefon: 0162 / 1756682
E-Mail: info@craftbee.de

www.craftbee.de

Und hier geht es zum Gewinnspiel mit tollen Preisen von CraftBee!


Schlagworte:

Craft Bier CraftBee Kassel Stadthonig Honigbier

Nach oben